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Familienfreundlichkeit als
Wettbewerbsfaktor in wirtschaftlichen Krisenzeiten?
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Finanzkrisen,
konjunkturschwache Zeiten und Gewinnrückgang bedeuten für viele Unternehmen
Einsparungen oder Restrukturierung. Oft gehen damit Stellenabbau und
Kürzungen von sozialen Leistungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
einher. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden deshalb Nutzen
und Ertrag einer familienfreundlichen Unternehmenspolitik in Frage gestellt.
Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz werden dann
gerne als „Sozialklimbim“ abgetan. Vor allem in der Vergangenheit hatten
diese Themen keinen Stellenwert, wenn eine unternehmerische Sondersituation
zu meistern war. Immer mehr Führungskräfte erkennen jedoch inzwischen die
Vorteile, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für das Unternehmen
mit sich bringt – auch und gerade in Krisenzeiten.
Familienfreundlichkeit
bedeutet nicht gleichzeitig höhere Kosten
Die weit verbreitete Meinung, dass eine familienbewusste Unternehmenspolitik
in Krisenzeiten nicht umsetzbar und nutzbringend ist, resultiert meist aus
der Überzeugung, dass familienfreundliche Maßnahmen Kosten verursachen. Die
EU-Familienexpertin Alice Pitzinger-Ryba ist anderer Meinung:
„Familienfreundlichkeit heißt nicht per se, dass sie Geld kostet.“ Eine
Arbeitszeitgestaltung und –organisation, die auch die Interessen der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Familienpflichten berücksichtigt,
bedeutet schließlich nicht zwingend einen finanziellen Mehraufwand. Es ist
sogar möglich, mit Familienfreundlichkeit Kosten einzusparen. Der Präsident
der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Ludwig Braun, bestätigt:
„Es ist ein Irrtum zu glauben, die Unternehmen zahlen bei
familienfreundlichen Maßnahmen zwangsläufig drauf. Im Gegenteil: Sie können
dadurch auf lange Sicht sogar Kosten einsparen“ – und damit ihre Renditen
steigern. Bei Etablierung und Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen
entsteht zwar kurzfristig organisatorischer Aufwand, eine Studie des
Bundesfamilienministeriums hat aber nachgewiesen, dass mittel- und
langfristig durch familienfreundliche Maßnahmen die Rendite um bis zu 25
Prozent gesteigert werden kann. Die Studie weißt nach, dass sich für
mittelgroße Unternehmen Einsparpotenziale in Höhe von mehreren 100.000 Euro
ergeben können.
Vereinbarkeit von Familie
und Beruf zahlt sich aus
Gerade in schwierigen Zeiten sind verschiedene Arbeitszeitmodelle ein
hilfreiches Instrument, die bestehenden Kapazitäten an die aktuellen
Gegebenheiten anzupassen. Durch eine effiziente Anwendung der Zeitkonten,
wie derzeit in der Automobilindustrie zu sehen, haben die Unternehmen
weitreichende Möglichkeiten, sich an die veränderten betrieblichen
Bedürfnisse anzupassen. Jahresarbeitszeit, Teilzeit und Langzeitkonto
erweitern den Handlungsspielraum des Unternehmens und können so den
verantwortungsbewussten Umgang mit den verfügbaren Personalkapazitäten
zeigen. So kann der Stellenabbau reduziert und damit Wissen und Erfahrungen
im Betrieb gehalten werden. Dies ist gerade unter dem Vorzeichen des Fach-
und Führungskräftemangels von großer Bedeutung, der auch aktuell in der
Rezession anhält. Randolf Rodenstock, Präsident des Verbands der Bayerischen
Wirtschaft, sieht angesichts des hohen Fachkräftebedarfs als Folge des
demographischen Wandels ein besonderes Interesse der Wirtschaft,
qualifizierte Arbeitskräfte anziehen und binden zu können. Rodenstock: „Auf
unsere Unternehmen kommt in Zukunft ein Mangel an Arbeitskräften zu. Laut
unserer Studie Arbeitslandschaft 2030 werden, wenn wir nichts unternehmen,
in den nächsten gut 20 Jahren in Deutschland 5,5 Millionen Arbeitskräfte
fehlen, 1,5 Millionen davon in Bayern. Umso mehr müssen wir uns für weitere
Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bemühen. Nur so
können wir auch in schwierigen Zeiten unsere Spitzenstellung im Wettbewerb
am Standort Bayern halten.“
Motiviertes und
leistungsfähiges Personal ist gerade in der Krise besonders wichtig
Die Investition in familienbewusste Arbeitsbedingungen stärken Motivation
und Leistungsfähigkeit. Mit engagierten und zufriedenen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern schaffen Führungskräfte die Basis für einen Geschäftserfolg und
ziehen somit finanzielle Vorteile daraus, wie die bereits genannte Studie
nachweist. Unternehmen, die in Sachen Familienfreundlichkeit gut aufgestellt
sind, bekommen als Gegenleistung flexibles und kreatives Personal, was in
einer Krise besonders hilft. Darüber hinaus sind viele Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter durch eine familienfreundliche Personalpolitik bereit, an
anderen Stellen Abstriche zu machen. Insbesondere bei Berufseinsteigern ist
das Gehalt nicht mehr das entscheidende Kriterium für die Wahl des
Arbeitsplatzes. Eine Studie der Macromediahochschule für Medien und
Kommunikation belegt, dass bereits Absolventen Familienfreundlichkeit im Job
erwarten. Den Wert einer familienfreundlichen Personalpolitik für
berufstätige Eltern macht eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung
(GfK) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums deutlich. Für 92 Prozent der
berufstätigen Eltern ist Familienfreundlichkeit wichtiger bzw. genauso
wichtig wie das Gehalt. Überraschender noch ist das selbst zwei Drittel der
Beschäftigten ohne Kinder dieses Kriterium mehr oder genauso stark bei der
Wahl des Arbeitgebers berücksichtigen, wie das Gehalt. Mit motivierten und
zufriedenen Arbeitskräften haben Unternehmen niedrigere Fluktuationsraten,
weniger Krankenstände und so weniger Überbrückungs- und
Wiedereingliederungskosten. Wenn Familienfreundlichkeit in der Krise auf der
Strecke bleibt, dann gehen kluge Köpfe zur Konkurrenz. Spätestens nach
Überwindung der Krise beginnen die mühsame Suche und der Kampf um gut
ausgebildetes Personal und Führungskräfte. Familienfreundliche Unternehmen
haben somit einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Familie ist in Krisenzeiten
die wichtigste Stütze
Die positiven Auswirkungen durch familienfreundliche Maßnahmen begründen
sich in der Tatsache, dass für die große Mehrheit der Deutschen in
unsicheren Zeiten vor allem die eigene Familie die wichtigste Stütze ist.
Das hat eine Umfrage von Infratest-Dimap ergeben. 68 Prozent der Befragten
gaben an, dass ihnen ihre Familie den größten Halt gebe. An zweiter Stelle
nannten die Befragten mit acht Prozent Glaube und Religion. Sieben Prozent
nannten Freunde. Die Umfrage zeigt, welche Bedeutung der Familie in unserer
Gesellschaft zukommt, die sich Unternehmen auf eine positive Weise mit
familienfreundlichen Maßnahmen zu Nutze machen können.
Um auch in der Zukunft erfolgreich und handlungsfähig zu bleiben, ist eine
nachhaltige Unternehmensführung unerlässlich und im eigenen Interesse einer
Firma. Ein Beitrag der Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung ist heute
den Kinderschuhen entwachsen und gilt bei vielen Firmen schon längst als
Standard. Ludwig Braun: „Familienfreundliche Angebote betrachte ich nicht
als Zuckerle, sondern als einen elementaren Bestandteil verantwortungsvollen
unternehmerischen Handelns.“
Quellen:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?em_cnt=1656488
http://www.bildungsspiegel.de/aktuelles/work-life-balance-familienfreundlichkeit-ebenso-wichtig-wie-das-gehalt.html?Itemid=262
http://salzburg.orf.at/stories/332925/
http://www.ad-hoc-news.de/umfrage-familie-ist-in-krisenzeiten-wichtigste-stuetze--/de/Politik/19950440
http://www.bmfsfj.de/
http://www.idw-online.de/pages/de/news296607
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